Brandon Sanderson: Elantris

Ein Fantasy-Roman über tote Götter, Hoffnung und Liebe

01.07.2008 Andreas Schnell

Rezension des Fantasy-Romanes "Elantris" von Brandon Sanderson. Der Leser verfolgt hier das Schicksal gleich dreier Hauptfiguren in einer magischen Welt.

Brandon Sanderson hat mit seinem Erstlingswerk, das bereits 2005 in englischer und Ende 2007 in deutscher Sprache erschienen ist, eine Welt geschaffen, die von Fantasy-Lesern weltweit begeistert angenommen worden ist.

Der Name Elantris kommt von der gleichnamigen Stadt, welche nicht nur die Heimat einer ehemals göttergleichen Rasse, sondern auch eine der Hauptspielplätze der Geschichte ist. Seit die rätselhafte Krankheit Shaod die Menschen erstmals heimgesucht und die einstigen Götter des Landes Arelon, die Elantrier, in lebende Tote verwandelt hat, sind zehn Jahre vergangen. Seit einem Jahrzehnt werden alle, die die Shaod ereilt, nach Elantris gesperrt und fallen der Vergessenheit anheim, zumindest ist es das, was die Adeligen Arelons gerne sehen würden.

Als der Kronprinz von Arelon, Raoden, ebenfalls der Shaod zum Opfer fällt, beginnt eine Kaskade von Ereignissen, die nicht mehr aufzuhalten ist. Offiziell gilt er als tot, doch in Wirklichkeit wird er zu den anderen Elantriern gesperrt. Nur kurze Zeit später trifft seine zukünftige Frau Sarene ein, die nach der Gesetzsprechung Arelons auch beim Tode ihres Mannes und in dessen Abwesenheit eine gültige Hochzeit vollziehen kann und somit im Land verbleibt. Obwohl sich beide noch nie vorher gesehen hatten, es war eine inszenierte politische Hochzeit, hegt sie tiefe Gefühle für ihren toten Ehemann, den sie nur durch Briefe und Unterhaltungen kennt, die auf magischem Wege stattgefunden haben.

Während Sarene also versucht, alles über Raoden und dessen mysteriöses Verschwinden herauszufinden und nebenbei einen Putsch anzettelt, versucht der ehemalige Kronprinz in Elantris, die anderen Verdammten auf seine Seite zu ziehen, um somit einen Ausweg aus der vertrackten Situation zu finden.

Drei Protagonisten, drei Geschichten

Im späteren Verlauf trifft Hrathen, ein derethischer Gyorn, in Arelon ein, um zu allem Überfluss das geschundene Land für eine feindliche Übernahme vorzubereiten. Arelon ist eines der wenigen Länder, die der Religion des Shu-Dereth noch nicht einverleibt sind, das andere ist das Heimatland der kürzlich eingetroffenen Prinzessin Sarene.

Brandon Sanderson gelingt es in vortrefflicher Weise, Geschichten um die drei Protagonisten zu ersinnen, welche unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch miteinander verwoben sind.

Raoden ist, anders wie die meisten anderen Adeligen in Arelon, gutmütig, offenherzig, ehrlich und hat nur das Beste für sein Land im Sinn. Er konnte andere Adelige dazu bewegen, sich seiner Sache anzuschließen und alles Notwendige zu tun, um Arelon vor dem Untergang zu bewahren. Nach seinem Verschwinden scheint diese Allianz dem Untergang geweiht.

Sarene vermag es in ihrer kecken, unverbrauchten und unkonventionellen Art, diese aufkeimende Rebellion am Leben zu erhalten und tritt so in ein Verhältnis mit vielen Antagonisten, die man farbenfroher und lebendiger nicht hätte beschreiben können.

Als dritter im Bunde ist Hrathen zu nennen, der ein zerrissener Charakter ist. Der hünenhafte Gyorn leidet schwer unter seiner Vergangenheit, die er jedoch vorzüglich unter einem Deckmantel von Predigten und Intrigen verstecken kann.

Neues im alten Gewand

Auf den ersten Blick mag Elantris wenig Neues zu bieten haben. In so gut wie jedem Fantasy-Roman geht es in irgendeiner Weise um Liebe, Magie, Intrigen oder Hoffnungen. Es ist jedoch die Art, wie Sanderson seinen Charakteren, ja sogar Gebäuden und der Umwelt, Leben einhaucht. Die Aonen, alte elantrische Magie, welche auf Zeichen basiert und eine unglaublich wichtige Rolle spielt, ist hier eines von unzähligen Beispielen, bei denen man etwas Neuartiges entdecken kann, selbst wenn man ein alter Hase im Lesen von Fantasy-Literatur ist.

Fazit

Brandon Sanderson ist es gelungen, dass alle drei Geschichten und Protagonisten am Ende zusammenfinden und auch in einer logischen und verständlichen Weise miteinander verbunden sind. Anfangs mag es merkwürdig erscheinen, dass es mehrere Handlungsstränge gibt, die von gleichgewichteten Protagonisten geführt werden, doch mit jedem der Helden oder Anti-Helden kann man sich gut identifizieren. Die Geschichte ist durchweg in sich logisch und hält konsequent an der Linie fest, die sich der Autor erdacht hat. Eine Tatsache, die enorm wichtig ist und dennoch bei vielen anderen Geschichten des Genres vernachlässigt wird.

Bei Elantris handelt es sich um eine grundsolide Fantasy-Geschichte, die viel Neues bietet und Lust auf mehr macht. Da mag es einen beinahe traurig stimmen, dass in diesem Fall keine Fortsetzung geplant ist. Um sich die Zeit, bis zum nächsten Brandon Sanderson Roman zu versüßen, kann man auf Werke von Patrick Rothfuss zurückgreifen.

Brandon Sanderson: Elantris. Heyne 2007. Broschiert, 895 Seiten. Euro 14,00.

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Sanderson: Elantris, Heyne Verlag Sanderson: Elantris
   
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