Catherine Banner: Das Lied von MaloniaRezension des ersten Bandes einer jungen Fantasy-Autorin aus England
Mit „Das Lied von Malonia" soll Catherine Banner die neue J.K. Rowling werden. Im Mittelpunkt ihres Fantasy-Romans steht Leo North, der ein magisches Buch findet.
Leo North lebt mit seinem Bruder Stirling und seiner Großmutter in einem heruntergekommenen Viertel der Hauptstadt von Malonia. Beide Jungen gehen auf eine Unteroffiziersschule, obwohl sie beide nicht zur Armee wollen. Doch Malonia befindet sich im Krieg, und das despotische Regime von König Lucien ist bereit, jeden Preis für das eigene Überleben zu zahlen. Leos Weg scheint vorgezeichnet, doch alles kommt anders, als er ein magisches Buch im Schnee findet. Dessen Seiten sind zunächst leer, doch nach und nach werden sie mit Inhalt gefüllt. Leo erfährt mehr über die wahre Geschichte seines Landes sowie über das Schicksal des im Exil lebenden Prinzen Ryan. Auch über das Leben seines Onkels, dem legendären und für tot erklärten Zauberer Aldebaran, erhält Leo Informationen. Doch während er immer tiefer in die Geschichte um Aldebaran und Ryan hineingezogen wird, ändert sich Leos Leben in Malonia auf dramatische Weise … Catherine Banner soll neue J.K. Rowling werdenCatherine Banner (geboren 1989) begann angeblich mit 14 Jahren „Das Lied von Malonia“ zu schreiben. Mit 16 soll sie einen Literaturagenten angesprochen und ihm ein Manuskript gegeben haben. Der Agent war so begeistert, dass er das Buch mehreren Verlagen anbot. Random House griff zu und freute sich über die Vermarktungsmöglichkeiten. Denn Banner ist zum einen jünger als Christopher Paolini, der für „Eragon“ bereits als Wunderkind bezeichnet wurde. Zum anderen kommt sie aus England und ihre Hauptfigur ist ein Waisenjunge mit magischen Fähigkeiten – da liegt der Vergleich mit Harry-Potter-Erfinderin J.K. Rowling natürlich nahe. In der deutschen Ausgabe kommen noch zwei mehr oder weniger subtile Anspielungen auf zwei Großmeister der Fantasy hinzu. Das runde Guckloch in der Covermitte erinnert stark an das berühmte Auge von J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“. Der deutsche Titel legt zudem den Vergleich mit George R.R. Martins „Lied von Eis und Feuer“ nahe. Im Original heißt Banners Buch „The Eyes of a King“, ein Titel, der einen deutlichen inhaltlichen Bezug zum Buch hat. Der Fantasy-Roman lebt von der Beschreibung innerer Konflikte der HauptfigurenOb der Verlag der jungen Autorin einen Gefallen mit der Vermarktungsstrategie getan hat, bleibt abzuwarten. Die Vergleiche wecken Erwartungen, die die junge Autorin mit „Das Lied von Malonia“ gar nicht erfüllen kann. Denn bei allem Potenzial und der schriftstellerischen Reife, die Banner bereits jetzt mitbringt, reichen ihre erzählerischen Fähigkeiten nicht an die berühmten Vorbilder heran. Das wird besonders bei den Liebesszenen zwischen Prinz Ryan und Anna deutlich (wo Banners fehlende Lebenserfahrung ausnahmsweise hervorsticht), aber auch bei einigen Einzelheiten. Der Erfolg von Luciens Aufstand gegen Ryans Vater wird mit der Technik der Gewehre und Pistolen erklärt, die die Rebellen aus England gestohlen haben. Viel wichtiger als die Schusswaffen wäre jedoch das Wissen um die Herstellung von Schießpulver und Munition gewesen. Doch wenn man solche Kleinigkeiten ausblendet, bleibt ein moderner Entwicklungsroman übrig, der von den inneren Konflikten der Figuren lebt. In diesem Bereich übertrifft Banner andere Jungautoren wie Christopher Paolini („Eragon") um Längen. Bei ihr ist besonders das Innenleben von Leo North sehr anschaulich und gut nachvollziehbar beschrieben. Auf die weiteren Bände der Trilogie von Catherine Banner darf man gespannt sein. Catherine Banner: Das Lied von Malonia. Band 1. Penhaligon 2008. Gebundene Ausgabe, 480 Seiten. Euro 18,95 (Österreich 19,50).
Der Artikel Catherine Banner: Das Lied von Malonia in Fantasy-Literatur unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Catherine Banner: Das Lied von Malonia ist Jörn Käsebier.
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