Der Prinz aus Atrithau von R. Scott Bakker

Rezension von "Der Krieg der Propheten", Band 2 der Fantasy-Trilogie

22.12.2008 Jörn Käsebier

Mit "Der Prinz aus Atrithau" setzt der Kanadier R. Scott Bakker seine Fantasy-Geschichte "Der Krieg der Propheten" um die Welt Eärwa fort. Episch, komplex erzählt.

Der Heilige Krieg ist auf dem Marsch nach Shimeh, dem wichtigsten Ort für die beiden großen Religionen im Gebiet der Drei Meere. Doch die Hohen Herren, die den Krieg anführen sollen, sind noch immer zerstritten. Da schlägt die Stunde des Prinzen aus Atrithau. Der Dûnyain Anasûrimbor Kellhus nutzt seine Fähigkeit, in der Mimik der Menschen ihre Gefühle und Sehnsüchte abzulesen, um seine Autorität auszubauen. Selbst so mächtige Männer wie der Hexenmeister Drusas Achamian vom Orden der Mandati und Cnaiür, der leicht zu unterschätzende Scylvendi, können sich dem Einfluss von Kellhus nicht entziehen. Auch die intelligente Hure Esmenet kann sich dem Bann von Kellhus nicht entziehen. Wie groß dessen Einfluss geworden ist, merken die Hohen Herren jedoch erst, als der Heilige Krieg das erste Mal auf dem Schlachtfeld den heidnischen Fanim gegenübersteht. Und auch die Rathgeber, die uralten Feinde der Menschen, beginnen, den Prinzen aus Atrithau als Gegner ernstzunehmen. Das Netz von Intrigen wird immer dichter und der Konflikt um die Vorherrschaft über den Heiligen Krieg schließlich immer blutiger und rücksichtsloser.

Fantasy-Roman für Erwachsene

Auch der nach "Schattenfall“ zweite Band der Fantasy-Trilogie "Krieg der Propheten“ zieht den Leser schnell in eine Welt, die an den Nahen Osten zur Zeit der Kreuzzüge erinnert. Richard (R.) Scott Bakker (geboren 1967) nimmt sich, wie schon in "Schattenfall“, die Historie aber nur soweit zum Vorbild, als er den Wahnsinn von Religionskriegen zeigt. Er beschreibt detailliert die Schlachten im "Krieg der Propheten“, doch geht es dabei nicht um Gewaltverherrlichung. Bakker schildert vielmehr, wie sich die Soldaten vor dem Kampf Mut machen, wie wichtig es ist, einfach durchzuhalten und damit den Gegner zu zermürben und wie schließlich nach dem Sieg sich die Aggression gegen die Besiegten richtet – der Heilige Krieg macht auch vor Zivilisten nicht halt. Zu Tausenden werden sie im Namen des Glaubens hingerichtet oder in die Sklaverei verkauft, Familien werden getrennt, Frauen vergewaltigt. Kategorien wie Gut und Böse, richtig oder falsch existieren im Krieg nicht mehr. Nur das eigene Überleben zählt.

Der Krieg der Propheten ist noch nicht abgeschlossen

Die Spannung zieht dieser komplexe Fantasy-Roman für Erwachsene vor allem aus der Frage nach der Motivation des vorgeblichen Prinzen aus Atrithau. Kellhus manipuliert alle anderen Beteiligten. Daher bleibt offen, wie er sich in Bezug auf die Ziele des Heiligen Krieges entscheiden wird und ebenso, ob er den Kampf gegen die Rathgeber aufnehmen will, um so eine zweite Apokalypse in Eärwa abzuwenden. Vor allem der Mandati Drusas Achamian – der heimliche Held der Geschichte – hofft darauf. Band 3 des "Krieges der Propheten“ („Der Tausendfältige Gedanke“) wird zeigen, ob Achamian auf den richtigen Mann gesetzt hat.

R. Scott Bakker: Der Prinz aus Atrithau. Der Krieg der Propheten. Band 2. Heyne 2009. Taschenbuch, 704 Seiten. Euro 9,95 (Österreich 10,30).

R. Scott Bakker: Der Prinz aus Atrithau. Der Krieg der Propheten. Band 2. Klett-Cotta 2007. Gebundene Ausgabe, 704 Seiten. Euro 24,50.

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R. Scott Bakker: Der Prinz aus Atrithau, Heyne-Verlag R. Scott Bakker: Der Prinz aus Atrithau
   
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