Joe Abercrombie: Feuerklingen

Rezension des zweiten Bandes einer epischen Fantasy-Trilogie

21.07.2008 Jörn Käsebier

Mit „Feuerklingen" setzt Joe Abercrombie die in „Kriegsklingen" begonnene, packende Geschichte um den Barbaren Logen, den Inquisitor Glokta und den Offizier Jezal fort.

Während die Union ihre Armee nach Norden geschickt hat, senden die Gurkhisen, die Feinde aus dem Süden, eine Streitmacht gegen die Hafenstadt Dagoska. Inquisitor Sand dan Glokta, der in einem früheren Krieg gegen die Gurkhisen zum Krüppel wurde, soll die Verteidigung der Stadt organisieren. Allerdings fehlt es ihm an Soldaten und Geld. Zudem ist sein Vorgänger durch Verrat umgekommen und Glokta weiß nicht, wer der Verräter ist. Oberst de West sieht sich derweil im Norden ganz anderen Problemen gegenüber. Er soll den unfähigen Kronprinz Ladisla mit seinem Sonderkommando aus allen ernsthaften Kriegshandlungen heraushalten, während sein Vorgesetzter, Marshall Burr, den Krieg gegen den mächtigen Nordmannkönig Bethod gewinnen will. Doch Bethod denkt gar nicht daran, sich Burr zu stellen, sondern marschiert lieber gegen Ladisla. Zum Glück für de West tauchen Bethods alte Feinde, die Nordmänner um den Hundsmann, auf und bieten ihre Hilfe an.

Eine verhängnisvolle Reise an den Rand der Welt

Der Barbar Logen und die Gruppe um den ersten der Magi reisen währenddessen zum Rand der Welt. Dort will der Magier eine Waffe in Besitz nehmen, mit der er die Union retten und der Welt den Frieden bringen kann. Um die Waffe zu nutzen, müsste er jedoch gegen das erste Gebot verstoßen (weshalb die Reihe im Original auch „The First Law“ heißt). Und die Folgen eines solchen Verstoßes sehen Logen, Jezal und die anderen, als sie die Ruinenstadt Aulcus, ehemalige Hauptstadt des Alten Kaiserreichs, durchqueren …

Ein epischer Fantasy-Roman

Auch mit „Feuerklingen“ ist Joe Abercrombie nach seinem starken Debüt „Kriegsklingen“ ein hervorragendes Werk der epischen Fantasy gelungen. In seinem zweiten Roman verdichtet er noch einmal die Handlung und lässt seinen Figuren zugleich Raum zur Entwicklung. So verliert der junge Offizier Jezal langsam seine Arroganz und gewinnt an Erfahrung hinzu. Der Foltermeister und Intrigant Glokta stößt bei all seiner Skrupellosigkeit auf Gegner, die noch weniger Skrupel haben und sich mit brutaler Gewalt durchsetzen, weshalb Glokta ins Grübeln über sein eigenes Verhalten kommt. Und Ferro, die ehemalige Sklavin, die nur sich selbst vertraut, lernt, sich plötzlich auf andere zu verlassen. Allen Figuren ist gemeinsam, dass bei ihnen eine eindeutige Gut-Böse-Zuordnung schwer fällt. Nicht einer der Charaktere ist durchweg sympathisch; es handelt sich um normale Menschen. Abercrombie schreibt – so paradox das zunächst klingen mag – realitätsnahe Fantasy.

Gute Dialoge

Auffällig ist das besonders bei den Dialogen, die sich im Gegensatz zu vielen anderen Werken des Fantasy-Genres am sozialen Hintergrund der Figuren orientieren. Die Sprache ist dementsprechend oft sehr direkt gehalten. Selbst der legendäre, uralte Magier Bayaz bedient sich nicht einer schwülstigen Hochsprache, sondern stößt derbe Flüche aus, wenn seine Pläne nicht aufgehen. Störend wird die Sprache nur, wenn sie stellenweise nicht auf die Dialoge beschränkt bleibt, sondern sich der raue Ton auch in die Sprache des Erzählers einschleicht. Ein weiterer Kritikpunkt an der Trilogie ist, dass es keine Karte der beschriebenen Fantasy-Welt gibt. Sie würde die Geländebeschreibungen im Buch sehr gut ergänzen. Schade ist auch, dass in der Übersetzung das Heine-Zitat des Originaltitels verloren geht. "Before They Are Hanged" lautet dieser. In der deutschen Ausgabe ist der Auszug aus Heinrich Heines "Gedanken und Einfälle" nun dem ersten Teil des Buches voran gestellt: "[Ja,] Man muss seinen Feinden verzeihen, aber nicht früher, als bis sie gehenkt werden."

Spannendes Buch

Doch diese kleinen Mängel können nicht den Eindruck trüben, dass dem Drehbuchautor Abercrombie auch das Romanschreiben gut von der Hand geht. „Feuerklinge“ ist spannend, überraschend und wartet mit einer gesunden Prise schwarzem Humor auf. Wie Abercrombie die losen Enden seiner Geschichte verknüpft, erfährt der Leser in „Königsklingen“, dem abschließenden Band der Trilogie.

Joe Abercrombie: Feuerklingen. Heyne-Verlag 2007. Taschenbuch, 800 Seiten. Euro 14,00 (Österreich 14,40).

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Abercrombie: Feuerklingen, Heyne-Verlag Abercrombie: Feuerklingen
   
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