Joe Abercrombie: Königsklingen

Rezension des letzten Bandes einer epischen Fantasy-Trilogie

28.09.2008 Jörn Käsebier

Furioses Finale: Joe Abercrombie lässt in „Königsklingen" seine Anti-Helden Logen, Bayaz und Glokta das Schicksal ihrer Fantasy-Welt entscheiden.

Der britische Autor Joe Abercrombie hat in den ersten beiden Bänden seiner Trilogie „The First Law“ viele lose Enden übrig gelassen, die alle irgendwie im Schlussband verknüpft werden müssen. Eine schier unmögliche Aufgabe möchte man meinen. Doch auf über 900 Seiten ist es Abercrombie mit „Königsklingen“ gelungen, die offenen Handlungsstränge zusammenzuführen und dabei zu fesseln, zu begeistern und zu enttäuschen.

Fantasy-Roman voller Schlachten, Magie und Intrigen

Logen der Barbar kehrt nach der Reise ans Ende der Welt dorthin zurück, wo alles für ihn begann. Im Norden stellt er sich seiner Vergangenheit in Gestalt von Bethod, dem König der Nordmänner. Doch während er Bethod und seine Gefürchteten offen bekämpfen kann, muss sich Logen auch mit seinem inneren Dämon auseinander setzen: dem Blutigen Neuner, zu dem Logen mutiert, wenn er im Kampf in Raserei verfällt und zwischen Freund und Feind nicht mehr unterscheidet. Diese Unterscheidung trifft Inquisitor Sand dan Glokta schon lange nicht mehr. Er ist nur sich selbst treu. Doch dient er mehreren Herren zugleich, die Widersprüchliches von ihm verlangen, weshalb auch ein Meisterintrigant wie Glokta an seine Grenzen stößt. Vor allem als die Ghurkisen auf Adua marschieren und drohen, die Hauptstadt der Union zu erobern, spitzt sich die Situation zu. Bayaz, der skrupellose Erste der Magier, muss seine letzten Trümpfe ausspielen, um sein Leben und die Welt, wie er sie geformt hat, zu erhalten. Denn sein großer Widersacher Khalul hat die Hundert Worte geschickt – die durch das verzehren von Menschenfleisch mächtig gewordenen Magier des Südens.

Abercrombie überrascht im Roman seine Leser

Wie die beiden Vorgängerbände besticht auch „Königsklingen“ (Originaltitel: „Last Arguments of Kings") durch den nüchternen, zynischen Erzählton. Die Geschichte ist über weite Strecken realistisch, in dem Sinne, als dass die Gewalt des Krieges im Buch willkürlich ihre Opfer sucht, Heldentum vergeblich ist und am Ende eben nicht alles gut ist. Doch mehr als in den beiden ersten Büchern kommt Magie in „Königsklingen“ zum Einsatz. Abercrombies Magie erinnert dabei an Naturgewalten, die – einmal entfesselt – kaum mehr in den Griff zu bekommen sind. In dieser Fantasy-Geschichte dient die Magie der weiteren Eskalation der Gewalt – heilende oder beschützende Wirkung hat sie nicht. Die Handlung fesselt durch Spannung und viele plötzliche Wendungen. Abercrombie ist ein Meister der Überraschung. Zwar ahnt der geübte Leser die eine oder andere voraus, wenn er zwischen den Zeilen liest. Doch hinter der ersten Wendung hat der Fantasy-Autor gleich noch eine weitere versteckt. Auch in der Welt von „Königsklingen“ geht es immer weiter, sind Entscheidungen nie endgültig. Und so ist der Schluss der Trilogie auch nicht abgeschlossen; vielmehr ist er Anfang und Ende zugleich, was leider auch einen Hauch von Enttäuschung hinterlässt, weil Abercrombie die Geschichte nicht fortsetzen will.

Neues Fantasy-Buch

Er bleibt aber in seiner Fantasy-Welt. „Best Served Cold“ lautet der Titel einer Geschichte um die Söldnerin Monza Murcatto in Styrien. Als deutschen Titel hat der Heyne-Verlag „Racheklingen" gewählt. Inhaltlich hat der Roman nur wenig mit „Kriegsklingen“, „Feuerklingen“ und „Königsklingen“ zu tun. Es gibt aber zum Beispiel ein Wiedersehen mit einigen der Charaktere, die bislang eher Nebenfiguren waren. „Racheklingen" ist jedoch nicht der Auftakt zu einer weiteren Trilogie, sondern in sich abgeschlossen.

Joe Abercrombie: Königsklingen. Heyne-Verlag 2008. Taschenbuch, 944 Seiten. Euro 15,00 (Österreich 15,50).

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