Patrick Rothfuss: Der Name des Windes

Rezension von Band 1 der Königsmörder-Chronik - Erster Tag

17.10.2008 Jörn Käsebier

Einen besonders guten Fantasy-Roman hat Patrick Rothfuss mit „Der Name des Windes" abgeliefert, dem Auftakt zu einer Trilogie über das Leben des mächtigen Magiers Kvothe.

Nichts weniger als die Lebensgeschichte des berühmtesten Magiers seiner Zeit erzählt der US-amerikanische Schriftsteller Patrick Rothfuss in „Der Name des Windes“. Es ist die Geschichte eines Mannes, der als der Sechssaitige, als Flinkfinger und als der Königsmörder in „Der zivilisierten Welt“ bekannt ist. Doch sein richtiger Name lautet Kvothe, was „zu wissen“ bedeutet. In einem Wirtshaus versteckt er sich vor seinen Feinden, vor seiner Vergangenheit, aber auch vor sich selbst. Doch eines Tages kommt der größte Chronist dieser Zeit in das Wirtshaus und überzeugt Kvothe, ihm seine Lebensgeschichte zu erzählen. Doch der Magier tut dies nur zu seinen eigenen Bedingungen – nicht ein Wort seiner Erzählung darf verändert werden. Außerdem will er drei Tage für seine Geschichte, mehr Zeit als je zuvor eine Persönlichkeit den Chronisten in Beschlag nehmen durfte.

Der Fantasy-Roman ist ein modernes Märchen

Am ersten Tag berichtet Kvothe von seiner Kindheit und Jugend. Wie er als Sohn des fahrenden Volkes, den Edema Ruh, aufwuchs. Eines Tages trifft die Truppe auf einen Mann, der viele Geheimnisse zu kennen scheint. Kvothe ist fasziniert von ihm, weil er Magie wirken kann. Den Befehlen des Mannes gehorcht selbst der Wind. Fortan möchte Kvothe den Namen des Windes herausfinden und selbst Magie wirken. Doch bis es soweit ist, hält das Leben noch viele Prüfungen für ihn bereit. So verliert er seine Eltern durch die Chandrian und verbringt einen Teil seiner Jugend in großer Armut. Die Schilderung von Kvothes Leben in der Stadt Tarbean erinnert stark an „Oliver Twist“, dem Klassiker über Kinderarmut. Andere Anleihen nimmt Rothfuss bei Märchen. Auch sein Erzählton erinnert stark an Märchen. Bevor der Leser davon jedoch eingelullt wird, wird er durch ironische Einschübe daran erinnert, dass dies keine reine Heldensage ist. Rothfuss enthüllt etwa, dass Kvothe bei der Aufnahmeprüfung für die Universität, dem Arkanum, geschummelt hat, indem er andere Prüfungen belauscht und dadurch einen Teil der Fragen schon kennt.

Ähnlichkeiten mit Harry-Potter zufällig

Im Gegensatz zu vielen modernen Fantasy-Werken verzichtet Rothfuss fast völlig auf Perspektivwechsel. So steht allein Kvothe im Mittelpunkt des Buches. Das hat den Nachteil, dass dieser ein wenig zum Superhelden gerät und die Zeichnung anderer Charaktere etwas schemenhaft bleibt. Doch die Vorteile der Konzentration auf Kvothe überwiegen. Seine inneren Konflikte, seine Entwicklung schildert Rothfuss eindrucksvoll, deutlich besser als J. K. Rowling das mit ihrem Harry Potter macht, der mit Kvothe das Waisenschicksal und die Probleme des Schullebens teilt. Gegen Ende, wenn die Liebesgeschichte zwischen Kvothe und Denna immer mehr in den Mittelpunkt rückt, verliert das Buch etwas an Fahrt. Doch es gelingt Rothfuss, genügend Geheimnisse zu lassen, dass die Neugier auf die weiteren Ereignisse in Kvothes Leben erhalten bleibt.

Das Buch stürmte die Bestsellerlisten in den USA

Nur in seltenen Fällen gelingt es Autoren gleich mit dem ersten Buch, zu den Besten des Genres vorzustoßen. Im Falle von Patrick Rothfuss (geboren 1973) wirkt das Debüt auch noch erstaunlich reif, als habe der Autor bereits Dutzende Bücher geschrieben. Ruhig, gelassen, so selbstsicher wie der der Held des Buches agiert, so erzählt Rothfuss im Auftakt zur Königsmörder-Chronik. In den USA gelang dem Schriftsteller aus Wisconsin mit „The Name of the Wind“ auf Anhieb der Sprung in die Bestsellerlisten. Außerdem erhielt Rothfuss unter anderem den „Publishers Weekly Award“ für das Fantasy-Buch des Jahres. Der Erfolg des Autors hat auch Schattenseiten für seine Fans. Rothfuss, nach eigenem Bekunden eh schon ein eher langsamer Schreiber, kommt durch ausführliche Lesereisen nicht mehr so oft zum Schreiben. Band 2 seiner Trilogie ist daher noch nicht einmal im Original erschienen. In seinem Blog empfiehlt er seinen Lesern, zunächst auf die Bücher von Joe Abercrombie und Brandon Sanderson zurückzugreifen.

Patrick Rothfuss: Der Name des Windes. Die Königsmörder-Chronik. Erster Tag. Band 1. Hobbit Presse von Klett-Cotta 2008. Gebunden, 864 Seiten. Euro 24,90.

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