Rezension: Pierre Pevel "Drachenklingen"Mantel-und-Degen trifft Fantasy in diesem Roman aus Frankreich
In „Drachenklingen" erzählt der Franzose Pierre Pevel eine Fantasy-Geschichte in der Tradition der „Drei Musketiere". Ein unterhaltsames Mantel-und-Degen-Abenteuer.
„Einer für alle, alle für einen“ – das Motto der Musketiere von Alexandre Dumas gehört zu den bekanntesten Zitaten der Weltliteratur. Mehrfach wurde das Buch verfilmt und kopiert. Der Franzose Pierre Pevel hat den Stoff nun auch in das Genre der Fantasy übertragen. Mit „Drachenklingen“ gelang ihm in seinem Heimatland ein Überraschungshit, der auch in der deutschen Übersetzung einige Leser finden dürfte. Literarisches Vorbild: Die drei MusketiereIn „Drachenklingen“ stehen anders als bei den „Drei Musketieren“ nicht die Musketiere des Königs im Mittelpunkt. Wie der französische Originaltitel (Les Lames du Cardinal) schon sagt, geht es um die Klingen des Kardinals, niemand anderen als Richelieu, der bei Dumas noch der große Gegenspieler von D’Artagnan, Arthos, Porthos und Aramis ist. Allerdings klingt schon im Klassiker am Ende an, dass der Kardinal am Ende vor allem die Interessen Frankreichs im Auge hat. Genauso zeichnet auch Pevel seinen Charakter: intrigant, skrupellos, aber uneigennützig. Die Handlung in „Drachenklingen“ setzt wenige Jahre nach der im literarischen Vorbild ein. Nachfahren von Drachen, die bereits Spanien und andere Reiche unter ihrer Kontrolle haben, wollen auch in Frankreich Fuß fassen. Doch der schwarzen Kralle, wie die Drachenverschwörer auch genannt werden, stellen sich ausgewählte Fechtkünstler in Diensten Richelieus entgegen. Fantasy-Roman voller Intrigen und überraschender WendungenWer nun aber Freund und Feind ist, diese Informationen hält Pevel lange zurück, verbirgt sie vor dem Leser, indem er (mal mehr, mal weniger überraschend) Wendung auf Wendung folgen lässt. Intrige folgt auf Intrige, Fechtszene auf Fechtszene. Die Handlung in „Drachenklingen“ rast in einem wahnsinnigen Tempo voran. Pevel gönnt dem Leser kaum eine Verschnaufpause, führt sehr viele Personen ein, deren Bedeutung zunächst schwer abzuschätzen ist. Das hohe Erzähltempo überdeckt dabei auch ein paar kleinere Schwächen, etwa dass die Draq – Halbblute aus Drache und Mensch – plötzlich viel weniger gefährlich sind als zunächst gedacht. Fechtduelle im Paris des 17. JahrhundertsDie Schwächen mindern nicht das Lesevergnügen. „Drachenklingen“ ist sehr unterhaltsam und einer der besten Fantasy-Roman im Jahr 2008, wobei das Phantastische nur einen sehr geringen Teil ausmacht. Mit der akkuraten Beschreibung von Paris im 17. Jahrhundert hat Pevels Buch viel von einem Historischen Roman. In allererster Linie handelt es sich bei „Drachenklingen“ jedoch um ein Mantel-und-Degen-Abenteuer. Dazu gehören die Fechtduelle, Verfolgungsjagden und die Rettungen bedrohter Frauen. Diese sind allerdings im Buch viel wehrhafter als es noch bei Dumas der Fall war, vor allem Agnès. Fortsetzung: Weiteres Buch nach „Drachenklingen“ möglich „Drachenklingen“ ist zunächst ein abgeschlossener Roman. Doch die Geschichten von Hauptmann La Fargue und den ihm unterstellten Klingen in diesem kurzweiligen Roman sind nicht auserzählt, sodass Pevel leicht die Geschichte fortsetzen kann. In Frankreich ist der zweite Band (L' Alchimiste des Ombres) bereits erschienen. Pierre Pevel: Drachenklingen. Heyne-Verlag 2008. Taschenbuch, 432 Seiten. Euro 13,00.
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