Racheklingen – Rache-Epos von Joe Abercrombie

Rezension eines Fantasy-Romans, der in sich abgeschlossen ist

26.10.2009 Jörn Käsebier

Joe Abercrombie erzählt in „Racheklingen" eine epische Rachegeschichte von der Söldnerin Monza Murcatto, die mit sieben der mächtigsten Männer Styriens abrechnen will.

„Rache ist ein Gericht, das am besten kalt verzehrt wird.“ Joe Abercrombie hat aus diesem Zitat den Titel für sein Buch „Best Served Cold“ gebastelt. Die Quelle soll Pierre Choderlos de LaClos mit seinen „Gefährliche Liebschaften“ sein, doch in diesem Briefroman steht es nicht. Abwandlungen finden sich aber in „Der Pate“, „Star Trek“ und „Kill Bill“. Der deutsche Titel von Abercrombies Buch, „Racheklingen“, geht vom Zitat weg, greift aber das Thema des Fantasy-Romans auf: Rache.

Rache-Epos um die Söldnerin Monza Murcatto

Vom Plot lassen sich viele Parallelen zum Rache-Epos „Kill Bill“ (und dessen Vorbilder wie „Lady Snowblood“) ziehen. Die Söldnerin Monza Murcatto wird von ihrem Auftraggeber Großherzog Orso hintergangen. Er will sie beseitigen lassen, doch sie überlebt den Mordanschlag. Fortan kennt Monza nur noch ein Ziel: das Töten der sieben Männer, die bei dem Mordversuch dabei waren. Für ihre Rache tut sie sich mit einem Nordmann, einem ehemaligen Sträfling und einem Giftmischer samt Gehilfin zusammen. Die Söldnerin ahnt dabei nicht, dass ihre Rache nur Teil eines viel größeren Konfliktes ist.

„Racheklingen“ steht für sich allein

„Racheklingen“ ist nicht die Fortsetzung der First-Law-Trilogie, auf Deutsch als „Kriegsklingen“, „Feuerklingen“ und „Königsklingen“ erschienen, sondern ein einzelner Roman, der in sich abgeschlossen ist. Gleichwohl spielt die Handlung in derselben Welt – wenn auch mit Styrien auf einem anderen Kontinent – und es erleichtert das Verständnis, wenn man die anderen Romane gelesen hat. Die Leser treffen zudem in „Racheklingen“ auf ein paar alte Bekannte. Einer von ihnen ist Espe, ein Nordmann, der mit dem Blutigen Neuner gekämpft hat, ein anderer der schillernde Söldnerführer Nicoma Cosca. Sie erleichtern es, sich in der Handlung zurechtzufinden. Von den neuen Charakteren ist neben Monza Murcatto der Giftmischer Morveer der interessanteste. An den folternden Inquisitor Glokta kommt er zwar nicht heran, doch er ist sehr überzeugend gezeichnet mit all seinen Stärken und Schwächen.

Düsteres Fantasy-Werk

Joe Abercrombie bleibt in diesem Rache-Epos seinem Stil treu – dazu gehören die Flüche in den Dialogen, blutige Schlachten und Kämpfe sowie gelegentliche Sex-Szenen. Zynisch und düster geht es in dieser Fantasy-Welt zu (manche würden es erschreckend realistisch nennen). Das erschwert die Identifikation mit den Figuren, die eher Anti-Helden als Helden sind, genau dadurch aber menschlich bleiben. Gleichzeitig hebt sich „Racheklingen“ durch den düsteren Ton erfrischend von der Fantasy ab, bei der am Ende das Gute (oder zumindest die, die gut sein wollen) gewinnt und eine neue Zeit anbricht. Dem Leser wird aber nicht alle Hoffnung genommen. Ähnlich wie seine Protagonistin Monza Murcatto ist Abercrombie nicht so hart und abgeklärt, wie sein Werk vermuten lässt – anders ist die Empathie für seine Figuren nicht zu erklären. Was es zum Heldsein braucht ist das Thema von Abercrombies nächstem Roman. Der Arbeitstitel lautet „Heroes“ und spielt im Krieg zwischen der Union und den Nordmännern.

Joe Abercrombie: Racheklingen. Heyne 2009. Broschiertes Taschenbuch, 928 Seiten. Euro 15,00 (Österreich 15,50).

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