Sturmbote – Fantasy-Roman von Tom LloydRezension des zweiten Bandes der Fantasy-Reihe „Twilight Reign"
Mit „Sturmbote" setzt Tom Lloyd seine Fantasy-Reihe fort, die mit „Sturmkämpfer" begann. Der Halbgott Isak kämpft gegen die Herrschaft des Zwielichts und sein Schicksal.
In Zeiten, in denen sich kaum mehr eine Fantasy-Geschichte über die Länge einer Trilogie erstreckt, geht der junge, britische Autor Tom Lloyd (geboren 1979) einen anderen Weg. Seine Fantasy-Reihe „Twilight Reign“ (im Deutschen ohne Titel) ist auf fünf Bände ausgelegt – in der Übersetzung ist mit „Sturmbote“ (The Twilight Herald) der zweite Teil erschienen. Der englische Reihentitel drückt bereits aus, dass der Inhalt sich um die Herrschaft des Zwielichts, des Schattens dreht. Im Deutschen hat sich die Betonung in Richtung des Begriffs „Sturm" verschoben, analog zu den Klingen-Romanen von Joe Abercrombie. Tom Lloyds dritter Roman heißt daher hierzulande „Sturmauge“. Isak ist der Sturmbote im Königreich der KristallschädelDer Held der Saga, der gewaltige magische Stürme entfesselt, heißt Isak. Als Lord des Stammes der Farlan sieht er sich gewaltigen Kräften gegenüber. Hinter ihnen scheint das Schattenwesen Azaer zu stecken. In die Stadt Scree lockt er mächtige Magier und Krieger, doch die Motive bleiben zunächst im Dunklen. Der junge und unerfahrene Isak ist auf der Hut, denn auch seine Verbündeten spielen doppelte Spiele. König Emin ist auf einem persönlichen Rachefeldzug, und die uralte Vampirin Zhia Vukotic plant bereits die Schritte, die auf die Schlacht um Scree folgen sollen. Ein Buch mit vielen CharakterenBei all den Ränken und beteiligten Personen muss auch der Leser aufpassen, dass er sich nicht durch die große Zahl an Personen, Namen, Göttern und Halbgöttern verwirren lässt. Ein Personenregister oder Appendix wäre hier hilfreich, doch da es ihn nicht gibt, empfiehlt es sich, die Romane am Stück zu lesen, damit man nicht ständig zurückblättern oder gar im Vorgängerband „Sturmkämpfer" nachschlagen muss. Räumliche Übersicht zu behalten gelingt da schon eher, da dem Roman eine Karte des „Landes“ (wie die Fantasy-Welt heißt) beigefügt ist. Bei dieser fehlen leider jedoch wichtige Details, etwa die Zuordnung der Stammesgebiete, um Farlan, Chetse und Menin besser auseinanderhalten zu können. Fantasy-Roman mit gottgleichen HeldenDie größte Schwäche der Fantasy-Reihe liegt jedoch im selbstverständlichen Umgang mit Magie. In dieser Welt der Halbgötter regenerieren die Helden ihre Kräfte so schnell, dass sie innerhalb kürzester Zeit erneut mächtige Zauber weben können und notfalls einfach das schier unerschöpfliche Reservoir eines Artefakts anzapfen – meist Kristallschädel. Diese Macht der Helden kennt scheinbar keine Grenzen; ein wenig mehr Realismus würde die Identifikation mit ihnen jedoch erleichtern. Allein durch die Machtfülle erwartet der Leser, dass Isak und seine Verbündeten triumphieren werden, auch wenn die gegnerischen Titanen über ähnliche Kräfte verfügen. Gut gelungen ist jedoch die Schilderung des inneren Kampfs bei Isak, der sich gegen sein Schicksal wehrt, weder zum Werkzeug der Götter werden möchte, noch Azaer, dem Feind dieser Götter, das Feld überlässt. Bei all seiner Macht möchte dieser Fantasy-Held am liebsten ein normaler Mensch sein. Eine tröstliche Botschaft für uns Normalsterbliche. Tom Lloyd: Sturmbote. Band 2. Heyne 2009. Taschenbuch, 736 Seiten. Euro 15,00 (Österreich 15,50).
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