Susanne Gerdom – Die Seele der Elben

Rezension eines Fantasy-Romans über Menschen und Elben

05.10.2009 Jörn Käsebier

In ihrem zweiten Elben-Roman verbindet die Fantasy-Autorin Susanne Gerdom Elemente von Vampir-Romanen mit einer Fantasy-Geschichte über „Die Seele der Elben".

Bei den deutschen Fantasy-Romanen über die Völker Tolkiens lagen Zwerge und Orks hoch im Kurs und dienten Autoren schnell als Helden, in die sich die Leser leicht hineinversetzen konnten. Susanne Gerdom wählte jedoch die unnahbaren Elben. Nach ihrem 2007 erschienenen Buch „Elbenzorn“ schrieb sie einen zweiten Roman „Die Seele der Elben“. Dieser Fantasy-Roman steht für sich alleine. Es handelt sich also nicht um eine Fortsetzung, zumal die Geschichte vor „Elbenzorn“ spielt. Wer den ersten Elben-Roman von Susanne Gerdom gelesen hat, wird aber zwei Figuren in „Die Seele der Elben“ wiedertreffen und erfahren, wie sie sich kennengelernt haben: der Halbelf Lluigolf, Lluis genannt, und der Zwerg Trurre Silberzunge.

Seelentrinker ernähren sich von Seelen der Elben

Lluigolf muss sein Zuhause verlassen. Als halber Elb und halber Mensch gehört er weder zum einen noch zum anderen Volk. In der Residenzstadt Raakus will er sein Glück machen. Doch in der Stadt hat er es nicht leicht. Lluis fehlt es an Geld und einer Arbeit, die ihn ernährt. Doch er macht sich schnell Freunde. Neben dem magisch begabten Zwerg Trurre ist es vor allem Hadmut, der Lluis zu verdanken hat, dass er seinen Platz in Raakus findet. Seine Welt wird allerdings schon bald durch das Auftauchen einiger Elben durcheinandergewirbelt. Die geheimnisvolle wie schöne Chaantrea weiß ihn an sich zu binden. Was Lluis nicht ahnt, ist, dass die Elbin eine Seelentrinkerin ist. Um sich ihren Traum von ewiger Jugend zu erfüllen, ernährt sich Chaantrea von den Seelen ihrer Opfer. Und Lluis soll ihr nächstes Opfer sein.

Hauptfiguren im Buch sind Menschen

Elbenfreunde könnten ein wenig enttäuscht sein von „Die Seele der Elben“. Die Hauptrolle in diesem Fantasy-Roman spielen nämlich nicht die Elben, sondern Menschen. Die Hauptfigur Lluis ist nur zur Hälfte ein Elb und verleugnet dieses Erbe auch noch, da er unter Menschen lebt. Darüber hinaus sind die meisten Elben im Buch auch noch böse. Ihre im Vergleich zu den Menschen lange Lebensspanne reicht ihnen nicht – auch die fast schon Unsterblichen gieren nach ewiger Jugend. Das ist eine originelle Idee von Susanne Gerdom. Weniger originell ist die Geschichte des Landmenschen, der in der Großstadt seinen Weg suchen muss. Doch Gerdom (geboren 1958) gelingt es, dass der Leser sich leicht mit Lluis und Vanandel, der zweiten Hauptfigur und Prinzessin der Mark, identifiziert. Leider kommt es nach einem Drittel des Buches zu einem Bruch. Plötzlich wechselt die Erzählperspektive, und der Schreiber Tijan schildert die Ereignisse als Ich-Erzähler. Tijan verdankt seinen Auftritt einem Schreibwettbewerb von Susanne Gerdom. Auch wenn die Figur interessant ist (vor allem für Leser, die Chronisten lieben), braucht es nach diesem Wechsel eine Weile, ehe man wieder in die Geschichte hineinfindet.

Die Lösung der Probleme und Konflikte von Lluis und Vanandel hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Kämpfe und Schlachten scheinen Susanne Gerdom anders als Markus Heitz eher ein Gräuel zu sein. Die Fügung der Ereignisse wirkt etwas konstruiert. Insgesamt ist aber ein unterhaltsamer und jugendfreier Fantasy-Roman herausgekommen.

Susanne Gerdom: Die Seele der Elben. Piper 2009. Broschiertes Taschenbuch, 512 Seiten. Euro 13,95 Euro.

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Susanne Gerdom: Die Seele der Elben , Piper-Verlag Susanne Gerdom: Die Seele der Elben
   

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