Tom Lloyd: Sturmkämpfer

Rezension des ersten Bandes einer Fantasy-Reihe

05.08.2008 Jörn Käsebier

Tom Lloyd beginnt mit dem Roman „Sturmkämpfer" seine erste Fantasy-Reihe. Sein Held Isak gerät in einen uralten Krieg zwischen Göttern, Elfen und Menschen.

„Du bist nicht mehr als ein Kind unter Wölfen, von den Göttern gesegnet, auf dass dich das ganze Land verabscheut und beneidet. Du hast jetzt keine Freunde mehr, kannst niemandem deine innersten Gedanken anvertrauen. In den kommenden Monaten wirst du erkennen, dass du jetzt ganz anders bist als alle anderen, und dass du zwar zwischen Sterblichen und Göttern stehst, aber keine der beiden Arten bist.“

Dieser Vortrag von Lord Bahl läutet das neue Leben von Isak ein. Er, der beim Fahrenden Volk aufwuchs und dort wie ein Aussätziger behandelt wurde, wird zu einem mächtigen Halbgott. Als Krann (Kronprinz) Bahls wird er später zum Hüter und Gebieter seines Stammes, den Farlan, aufsteigen. Schon sehr bald findet Isak heraus, wie wahr die Worte Bahls sind. Auch in seinem neuen Status fällt das Weißauge Isak aus der Gemeinschaft. Menschen und Götter wollen ihn beeinflussen oder trachten ihm gar nach dem Leben. Doch er gibt nicht auf, sondern nimmt sein Schicksal selbst in die Hand.

„Sturmkämpfer“ ist Tom Lloyds erstes Buch

Tom Lloyds „Sturmkämpfer“ trägt die Züge des klassischen Entwicklungsromans, der in der Fantasy weit verbreitet ist: Ein jugendlicher Held gerät in das Abenteuer seines Lebens, wird mit Gefahren konfrontiert und wächst mit seinen Aufgaben. Bei Lloyd erstarkt der Held sehr schnell, was zum Teil mit seinen Genen erklärt wird. Weißaugen sind im „Land“ (so der Name der Fantasy-Welt) per Geburt auserwählt. Doch ein wenig mehr Zeit zur Entwicklung hätte der Autor seinem Helden lassen sollen. Hier merkt man, dass es sich um ein Erstlingswerk handelt. Lloyd ist sehr ambitioniert an sein Debüt gegangen, er hat dafür eine Welt erschaffen, deren Geschichte und Kultur sehr anschaulich geschildert werden.

Viele Völker und Götter bewohnen die Fantasy-Welt

Verwirrend ist die große Anzahl der Personen, Völker und Götter. Eine Übersicht am Ende des Buches hätte die Orientierung erleichtert. Auch macht die Vielzahl der Handlungsstränge es schwer, sich in der Welt von Isak und dem Konflikt zwischen Göttern, Menschen und Elfen zurechtzufinden. Zu Lloyds Vorbildern scheinen Steven Erikson und George R.R. Martin zu gehören. Doch gerade bei Martin hätte er sich abschauen können, wie mehrere Handlungsstränge gut nebeneinander laufen können, ohne dass der rote Faden der überspannenden Geschichte verloren geht.

Die Fantasy-Reihe wird fünf Bände umfassen

Potenzial hat die mit „Sturmkämpfer“ begonnene Reihe aber in jedem Fall. Die Kampfszenen sind gut beschrieben und überraschende Wendungen erhöhen die Spannung. Fünf Bände soll die Fantasy-Reihe im Original umfassen. Dort heißt sie „Twilight Reign“ (Herrschaft des Zwielichts). In der Übersetzung hat der Verlag vorläufig auf eine deutsche Entsprechung verzichtet. Band 2 heißt „Sturmbote". Vielleicht gelingt es Lloyd, sich in den Fortsetzungen stärker auf die wichtigsten Charaktere zu konzentrieren. Weniger könnte hier mehr sein.

Tom Lloyd: Sturmkämpfer. Band 1. Heyne-Verlag 2008. Taschenbuch, 656 Seiten. Euro 13,00 (Österreich 13,40).

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